{"id":460,"date":"2015-01-25T14:12:03","date_gmt":"2015-01-25T12:12:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/?p=460"},"modified":"2015-01-25T14:12:21","modified_gmt":"2015-01-25T12:12:21","slug":"fmksb-lblromrd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/?p=460","title":{"rendered":"\u201eFmksb Lblromrd\u201c"},"content":{"rendered":"<h6>Ein ortsgeschichtlich bemerkenswerter Fund aus Aufhausen<\/h6>\n<p><em>Von Hans Riederer<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, die \u00dcberschrift ist kein Druckfehler! So verschl\u00fcsselte ein Freund den wirklichen Namen des Verfassers einer Liederhandschrift, den derselbe darin aber mehrfach selber preisgibt: Jakob Eberhard. Seine Person und sein Werk verdienen genauere Betrachtung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0 Bei Umbauarbeiten in seinem Gro\u00dfelternhaus fiel Herrn Erwin Zink aus Aufhausen ein altes, ziemlich abgegriffenes B\u00fcchlein mit Eintragungen in der sog. \u201edeutschen Schrift\u201c in die H\u00e4nde. Bei genauerem Durchbl\u00e4ttern stellte er fest, da\u00df es sich dabei haupts\u00e4chlich <!--more-->um Liedertexte handelte. Der Familienname Eberhard, mit dem viele der Lieder unterschrieben waren, war ihm sofort gel\u00e4ufig. Es mu\u00dfte sich dabei, daf\u00fcr sprachen die angegebenen Jahreszahlen, um einen Vorfahren der Familie Josef Eberhard im benachbarten Pa\u00dfhausen handeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Irgendwann sp\u00e4ter zeigte Herr Zink seinen Fund dem ihm als Volksmusik- und Brauchtumskenner bekannten Hans Riederer aus Enzerweis. Schon beim ersten Augenschein war zu erkennen, da\u00df es sich hier um einen f\u00fcr die Erforschung der Volksmusik in unserem Raum wertvollen Fund handelte. Riederer setzte sich mit dem ihm befreundeten Volksmusikforscher Willibald Ernst aus Gangkofen in Verbindung. Dieser veranla\u00dfte eine Kopie der Handschrift f\u00fcr das Volksmusikarchiv des Bezirks Niederbayern in Landshut. Anschlie\u00dfend machte sich Riederer daran, den gesamten Inhalt in die heutige Schrift zu \u00fcbertragen. Das nicht mit Seitenzahlen versehene, ziemlich abgegriffene B\u00fcchlein hat ein Taschenbuchformat, zeigt deutliche Gebrauchsspuren, und fand bequem in den Taschen eines Soldatenrocks Platz. Jakob Eberhard hatte es n\u00e4mlich w\u00e4hrend seiner Eichst\u00e4tter Milit\u00e4rzeit in den Jahren 1894 \u2013 1896 \u201ezum Zeitverteiben\u201c, wie er schreibt, angelegt. Zwar f\u00fchrte er es danach noch einige Jahre weiter, urspr\u00fcnglich diente es aber dem pers\u00f6nlichen Gebrauch innerhalb und au\u00dferhalb des Dienstes als Soldat. Es kann demnach als privates Soldatenliederbuch bezeichnet werden. Dementsprechend enth\u00e4lt die Handschrift viele Soldaten- und Kriegslieder, daneben aber auch damals g\u00e4ngige Volks- und Gesellschaftslieder, von denen sich ebenfalls ein Teil zum Marschieren eignete, und einige codierte Botschaften und Widmungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch einer seiner Kompaniekameraden, Michael Meier, hinterlie\u00df seine Spuren, ein Beleg, dass man sich gegenseitig die B\u00fccher zum Abschreiben und Erg\u00e4nzen auslieh, sich zugleich aber auch im Ver- und Entschl\u00fcsseln von Texten \u00fcbte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_009.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-462\" src=\"http:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_009.jpg\" alt=\"LI_BU_009\" width=\"142\" height=\"186\" \/><\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <strong>Abb. 1: Jakob Eberhard als Reservist (Ausschnitt)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach genauer Durchsicht enth\u00e4lt die Handschrift 57 Lieder: 20 Soldaten- und Kriegslieder, 6 Erz\u00e4hllieder, 21 Gesellschaftslieder, 3 Wildererlieder, 2 berufsbezogene Lieder, 3 landschaftsbezogene Lieder, 1 erotisches Lied und ein Gstanzllied.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_010.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-463\" src=\"http:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_010.jpg\" alt=\"LI_BU_010\" width=\"202\" height=\"307\" srcset=\"https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_010.jpg 202w, https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_010-164x250.jpg 164w\" sizes=\"(max-width: 202px) 100vw, 202px\" \/><\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <strong>Abb. 2: Erste Seite der Liederhandschrift (verkleinert)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleich der erste Liedeintrag \u201eDie junge Margr\u00e4fin\u201c \u00fcberschrieben, verdient besondere Beachtung. Hier handelt es sich n\u00e4mlich um eine seit mehr als vierhundert Jahren bis heute gesungene, weit verbreitete Ballade, in der sich ein junger Soldat auf ein Liebesabenteuer mit einer Markgr\u00e4fin einl\u00e4sst, und daf\u00fcr am Galgen enden soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter den Soldaten- und Kriegsliedern sind besonders jene mit historischen Hintergrund intressant. Da geht es z.B. in dem Lied \u201eEs kommt die l\u00e4ngst gew\u00fcnschte Stunde\u201c um den Russlandfeld Napoleons und um den Schlachtenort Leipzig (V\u00f6lkerschlacht 1813).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andere Kriegslieder beziehen sich auf \u00f6sterreichisch-italienische Kriege (1848), bzw. auf den deutsch-franz\u00f6sischen Krieg 1870\/71: \u201eBei Sedan wohl auf den H\u00f6hen\u201c oder \u201eGott sch\u00fctze das Vaterland, Gott sch\u00fctze den Rhein\u201c. Den Rhein gegen den westlichen Nachbarn und \u201eErbfeind\u201c zu verteidigen, war damals die allgemein propagierte Meinung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0 Von den eingetragenen Wildsch\u00fctzenliedern leben einige bis heute in der Volksmusikpflege weiter, wie z.B. \u201eBin ein frischer J\u00e4ger\u201c, das im Niederbayerischen Liederbuch von Huber\/Simbeck, 1952, abgedruckt ist. Von den um 1900 gern gesungenen Gesellschaftsliedern besteht der Gro\u00dfteil nach heutigem Empfinden aus Heimatidyllen, Liebesschnulzen oder r\u00fchrseligen Abschiedsliedern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die meisten Lieder trug Jakob Eberhard w\u00e4hrend der letzten Monate seiner Milit\u00e4rzeit ein. Offensichtlich wurde er hier vermehrt zum Wachdienst herangezogen, und hatte daher reichlich Zeit zum Aufschreiben der in der Kompanieg\u00e4ngigen Lieder. Gelegentlich datiert er seine Eintr\u00e4ge und f\u00fcgt hinzu: \u201eGeschrieben zum Zeitvertreibn den zweiten Juni 1896. Parole 109 Tage\u201c. Den mehrfachen Zeitangaben nach erfolgte Eberhards Entlassung am 20. September 1896. Er f\u00fchrte aber danach noch sein Soldatenb\u00fcchlein weiter. In diese Zeit fallen die Liedtexteintr\u00e4ge des Kameraden Michael Meier, der vermutlich, wie Eberhard, aus Bruck bei Neuburg\/Donau stammte. In einer verschl\u00fcsselten Botschaft, die von Willibald Ernst decodiert wurde, bedankt sich dieser f\u00fcr das Ausleihen des B\u00fcchleins.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_011.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-464\" src=\"http:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_011.jpg\" alt=\"LI_BU_011\" width=\"605\" height=\"497\" srcset=\"https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_011.jpg 605w, https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_011-250x205.jpg 250w, https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_011-600x493.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 605px) 100vw, 605px\" \/><\/a><strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Abb. 3 Rest des Liedes Nr. 35 u. Anfang des Liedes Nr. 36<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit drei Liedern setzte der Sohn \u201eJakob Eberhard junior\u201c im Oktober 1923 die Eintragungen fort. Neben den Liedern finden sich hier vierzehn, mit \u201eSouvenir\u201c betitelte Verse, wie man sie einstmals ins Poesiealbum eintrug. Intressant ist ausserdem unter der \u00dcberschrift \u201eSais\u201c eine bruchst\u00fcckhafte Tanzbeschreibung der \u201eFrancaise\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der \u00dcbertragung und Inhaltsanalyse wollte sich Hans Riederer nicht zufrieden geben. Er forschte nach weiteren Zeugnissen \u00fcber den Schreiber und ging der Frage nach, wie das B\u00fcchlein von Pa\u00dfhausen ins vier Kilometer entfernte Haus Wimmer in Aufhausen gelangt sein k\u00f6nnte. Dank der Bereitwilligkeit aller Beteiligten kamen \u00fcberraschende Foto- und Textdokumente zu Tage. Sie stellen zusammen mit der Handschrift einen wertvollen Fund dar, der es erm\u00f6glichte, die Herkunft und den Lebenslauf Jakob Eberhards zu rekonstuieren, sowie ein Pers\u00f6nlichkeitsbild zu zeichnen.<br \/>\nJakob Eberhard wurde am 24. Juli 1874 in Bruck, Landkreis Neuburg a.d.Donau geboren. Gemeinsam mit f\u00fcnf Geschwistern und drei Halbbr\u00fcdern aus der ersten Ehe seiner Mutter verbrachte Eberhard seine Kindheit auf dem elterlichen Anwesen in Bruck. Von 1881 bis 1888 besuchte er die \u201eWerktagsschule\u201c und anschlie\u00dfend, bis 1891, die \u201eSonn- und Feiertagsschule\u201c im benachbarten Zell. 1894 wurde er zur Ableistung seines zweij\u00e4hrigen Milit\u00e4rdienstes zum 10. Infantrie-Regiment Prinz Ludwig, 2. Kompanie, nach Eichst\u00e4tt einberufen. Am 2. Februar 1902, so besagt die standesamtliche \u201eHeiratsurkunde\u201c, f\u00fchrte er Anna Oggerm\u00fcller aus Rosing in der Pfarrkirche Zell zum Traualtar. Zu dieser Zeit \u00fcbernahm er wohl auch das elterliche Anwesen in Bruck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_012.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-465\" src=\"http:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_012.jpg\" alt=\"LI_BU_012\" width=\"604\" height=\"486\" srcset=\"https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_012.jpg 604w, https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_012-250x201.jpg 250w, https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_012-600x483.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 604px) 100vw, 604px\" \/><\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <strong>Abb. 4 Verlobungsfoto<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Ehe entsprangen sechs Kinder, die sp\u00e4ter alle in der Umgebung von Landau a.d.Isar ans\u00e4ssig wurden. 1914, im Alter von nahezu 40 Jahren wurde Jakob Eberhard noch zum Kriegsdienst eingezogen, und machte den ganzen 1. Weltkrieg in voller L\u00e4nge mit. Nach seiner Heimkehr f\u00fchrte er auf seinem Hof die Landwirtschaft weiter. Daneben engagierte er sich aber auch im \u00f6ffentlichen Leben, und wurde sogar, als angesehener und untadeliger Bauer, als Sch\u00f6ffe ans Amtsgericht in Neuburg\/Donau berufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_016.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-467\" src=\"http:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_016.jpg\" alt=\"LI_BU_016\" width=\"604\" height=\"483\" srcset=\"https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_016.jpg 604w, https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_016-250x200.jpg 250w, https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_016-600x480.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 604px) 100vw, 604px\" \/><\/a><strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Abb. 6 Familienfoto 1916, aufgenommen w\u00e4hrend eines Fronturlaubs<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was bewog nun diesen bodenst\u00e4ndigen, durch seinen Besitz eigentlich ortsgebundenen \u00d6konomen, seine angestammte Heimat zu verlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gr\u00fcnde hierf\u00fcr sind vielf\u00e4ltig. Einer davon war wohl der, da\u00df die Felder in der Gegend von Bruck am Rande des Donaumooses, ganz besonders in regenreichen, nassen Jahrg\u00e4ngen, nicht leicht zu bewirtschaften waren. Dementsprechend waren auch die Ertr\u00e4ge nicht immer optimal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Hof des Jakob Eberhard geh\u00f6rten 49 \u00bd Tagwerk landwirtschaftlicher Grund. Der gr\u00f6\u00dfte Teil dieser Felder war durch die ausgedehnten Waldungen des wittelsbachischen Gutes Rohrenfeld wom Hof getrennt. Es gab zwar eine Stra\u00dfe quer durch die f\u00fcrstlichen W\u00e4lder, deren Befahren aber f\u00fcr die Bauern bei Strafe verboten war. Man mu\u00dfte also mit dem Pferdefuhrwertk den Wald umfahren, so da\u00df der Landwirt f\u00fcr die einfache Strecke rund 1 \u00bc Stunden unterwegs war, um seine Felder zu erreichen \u2013 das ganze Jahr \u00fcber ein riesiger Zeitaufwand nur f\u00fcr die An- und R\u00fcckfahrten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wahrscheinlich \u00fcbte auch Eberhards \u00e4ltester Sohn Josef seinen Einflu\u00df aus, sich andernorts landwirtschaftlich ans\u00e4ssig zu machen. Dieser hatte auf dem landwirtschaftlichen Mustergut des Prinzen von Baden in Salem am Bodensee praktiziert, und dabei die damals moderne Landwirtschaft kennengelernt. Die diesbez\u00fcglichen Ansichten seines Sohnes fanden beim Vater, der selbst fortschrittlich dachte, immer mehr Geh\u00f6r.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den eigenen Hof in der Neuburger Gegend zu vergr\u00f6\u00dfern war nicht m\u00f6glich. Durch einen Grundst\u00fccksmakler wurde Eberhard schlie\u00dflich auf den \u201eKruckenhuberhof\u201c in Pa\u00dfhausen, damals Gemeinde Rengersdorf, im niederbayerischen Vilstal aufmerksam gemacht, der zum Verkauf anstand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 27. Dezember 1927 wurde im Notariat in Landau\/Isar der Kauf verbrieft, und im Februar 1928 erfolgte der Umzug. Neben seiner Frau und den sechs Kindern kamen noch die Schwester seiner Frau, Johanna Oggerm\u00fcller und deren T\u00f6chterchen Auguste (Gusti) mit ins Niederbayerische. In einem eigens bestellten Eisenbahnwagon wurden die transportablen landwirtschaftlichen Ger\u00e4tschaften verstaut, und \u00fcber Ingolstadt, M\u00fcnchen und Landau\/Isar ging die Bahnfahrt schlie\u00dflich zur Endstation, dem damaligen Bahnhof Aufhausen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 In Pa\u00dfhausen warteten die Felder bereits auf die Bewirtschaftung, so da\u00df die Familie Eberhard in ihrer neuen Heimat schnell heimisch wurde. Durch Flei\u00df und Sachverstand brachte sie innerhalb weniger Jahre den abgewirtschafteten Hof wieder in die H\u00f6he, und bald hatte sich der \u201eZuagroaste\u201c ein hohes Ansehen verschafft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie schon erw\u00e4hnt war Jakob Eberhard ein fortschrittlicher Bauer. Darum war eines seiner ersten Bestrebungen, da\u00df sein neuer Heimatort mit elektrischem Strom versorgt w\u00fcrde. Obwohl die Nachbarn diesem Vorhaben des \u201eNeu-Passhauseners\u201c zun\u00e4chst skeptisch gegen\u00fcber standen, brannte bereits Ende 1928 auch in Pa\u00dfhausen elektrisches Licht. \u201ePraktisch is\u2019s scho, des Elektrisch\u201c, soll damals eine Nachbarin gesagt haben, \u201edo drahst amoi, nochan brinnt s\u2019Licht, und drahst nomoi, nochan is\u2019s wieder aus\u201c, und beschrieb damit die Funktion des fr\u00fcher \u00fcblichen Drehschalters.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Etwas \u00fcberraschend, nach kurzer, schwerer Krankheit verstarb Jakob Eberhard am 14. Juni 1934 mit sechzig Jahren. Der Zeitungsnachruf w\u00fcrdigte ihn als Musterwirtschafter, charakterfesten Bauern, ehrlich und rechtschaffen, und als guten Gesellschafter und stets friedlichen Nachbarn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Eberhard-Hof zu Pa\u00dfhausen wird heute in der dritten Generation von Enkel Josef Eberhard in ebenso vorbildlicher Weise bewirtschaftet und gef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber wie war nun das Liederb\u00fcchlein nach Aufhausen gekommen ? Vermutlich, so Josef Eberhard, hat die Nichte des Schreibers, Gusti Oggerm\u00fcller, in den 1930er Jahren das B\u00fcchlein der Liedtexte wegen zum Singen im Familien- und Freundeskreis nach Aufhausen mitgenommen. Dazu mu\u00df man wissen, da\u00df das heutige Haus Wimmer\/Zink, in der Ostergasse, bis zum zweiten Weltkrieg und auch noch danach eine Schusterei beherbergte, beim \u201eWimmer-Schuster\u201c, so der Hausname. Nach Erz\u00e4hlungen von Zeitzeugen traf man sich dort gern zum \u201eHoagartn\u201c. Dabei wurde gelegentlich auch getanzt und gesungen, wobei man sich sicher der Liedtexte aus dem \u201eEberhard-B\u00fcchlein\u201c bediente. Nach dem zweiten Weltkrieg h\u00f6rten sich die geselligen Zusammenk\u00fcnfte auf, das B\u00fcchlein geriet in Vergessenheit und kam, wie oben angef\u00fchrt, erst im Jahr 2011 wieder \u201eans Tageslicht\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liederbuch, Fotos und sonstige Schriftdokumente geben ein interessantes Detail Passhausener Ortsgeschichte wieder. Da\u00df der gesamte Fundbestand nicht schon l\u00e4ngst als \u201ealtes Glump\u201c in der M\u00fclltonne gelandet war, ist den Familien Zink und Eberhard zu verdanken. Sie besitzen jenes Feingef\u00fchl, das man gegen\u00fcber fr\u00fcheren Generationen bewahren sollte. Sicher lagern derartige Schriften und Gegenst\u00e4nde auch noch in anderen H\u00e4usern. Sie w\u00e4ren wertvolle Mosaiksteine f\u00fcr die Erhellung der Heimatgeschichte. Statt sie achtlos zu entsorgen, w\u00e4re es ratsam, sie dem Volksmusikarchiv des Bezirks Niederbayern in Landshut zur Verf\u00fcgung zu stellen oder als Leihgabe beim Heimatmuseum, z.B. in Landau, zu deponieren. Daf\u00fcr aufgeschlossene, ortsbekannte Fachleute helfen gern bei der Wahl des geeigneten Aufbewahrungsortes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_023.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-468\" src=\"http:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_023.jpg\" alt=\"LI_BU_023\" width=\"604\" height=\"390\" srcset=\"https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_023.jpg 604w, https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_023-250x161.jpg 250w, https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_023-600x387.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 604px) 100vw, 604px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_014.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-466\" src=\"http:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_014.jpg\" alt=\"LI_BU_014\" width=\"604\" height=\"362\" srcset=\"https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_014.jpg 604w, https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_014-250x150.jpg 250w, https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LI_BU_014-600x360.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 604px) 100vw, 604px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein ortsgeschichtlich bemerkenswerter Fund aus Aufhausen Von Hans Riederer Nein, die \u00dcberschrift ist kein Druckfehler! So verschl\u00fcsselte ein Freund den wirklichen Namen des Verfassers einer Liederhandschrift, den derselbe darin aber mehrfach selber preisgibt: Jakob Eberhard. Seine Person und sein Werk verdienen genauere Betrachtung. \u00a0\u00a0 Bei Umbauarbeiten in seinem Gro\u00dfelternhaus fiel Herrn Erwin Zink aus Aufhausen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/?p=460\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eFmksb Lblromrd\u201c<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","enabled":false},"version":2}},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-460","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9XgBb-7q","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/460"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=460"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/460\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":471,"href":"https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/460\/revisions\/471"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=460"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=460"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aufhausen-ndb.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=460"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}